Der Regende Platz

Der Regende Platz

Über einen Stadtraum, der zuhört

Städte stehen heute unter Druck.
Nicht nur durch Wachstum, sondern durch Hitze, Starkregen, Ressourcenknappheit und soziale Verdichtung. Historische Plätze sind davon besonders betroffen: Sie tragen Geschichte, aber oft keine Antworten auf aktuelle Fragen.

Am Florinsmarkt in Koblenz haben wir uns gefragt:
Wie kann ein historischer Stadtraum wieder produktiv werden, ohne seine Würde zu verlieren?

Unsere Antwort heißt:

Von unten nach oben gedacht

Der Entwurf beginnt nicht mit Form oder Möblierung, sondern mit dem, was wir im Alltag oft übersehen: dem Boden unter unseren Füßen.

Regen fällt zuerst auf Wege.
Also liegt unter allen Laufwegen ein lineares Wassersystem, das Regen sammelt, verzögert weiterleitet und zur Bewässerung der angrenzenden Grünflächen nutzt. Keine offenen Wasserflächen, keine technische Inszenierung – sondern ein still funktionierendes System, gesteuert über Gefälle und Geometrie.

Wasser wird nicht gezeigt, sondern wirksam gemacht.

Ein Platz, der zuhört

Der regende Platz will nicht beeindrucken.
Er will funktionieren.
Er will bleiben.

Er sammelt Wasser, statt es abzuführen.
Er verbindet Menschen, ohne sie zu lenken.
Er denkt Stadt als lernendes System.

Vielleicht ist das heute die wichtigste Qualität eines öffentlichen Raums:
nicht laut zu sein – sondern aufmerksam.

Wege als Infrastruktur

Die Wege des Platzes sind barrierefrei, klar geführt und taktil lesbar. Sie dienen nicht nur der Bewegung, sondern auch der Orientierung – insbesondere für sehbehinderte Menschen.

Der Weg wird zur Infrastruktur:

für Wasser

für Bewegung

für Begegnung

So entsteht ein Platz, der selbstverständlich funktioniert – ohne Erklärung.

Garten als urbane Schicht

Der Garten ist kein Park und keine Wildnis.
Er ist eine urbane Schicht, die sich bis an die Bebauung heranzieht: dynamische Pflanzparzellen, essbare Gehölze, Wildobst, strukturierte Grünflächen.

Die Parzellen sind bewusst kleinteilig und modular gedacht – in einem Raster, das Wachstum, Pflege und Veränderung zulässt. Der Garten bleibt in Bewegung, ohne unruhig zu wirken.

Stadt und Natur stehen nicht gegenüber, sondern im Dialog.

Die Terrasse der Begegnung

Im Übergang zwischen Wegen, Garten und Gebäuden liegt eine einfache, leicht erhöhte Terrasse. Kein Podest, keine Bühne – sondern ein Ort auf Augenhöhe.

Hier wird gesessen, gesprochen, musiziert, gewartet.
Die Terrasse funktioniert auch dann, wenn nichts passiert. Gerade dann.

Begegnung wird nicht organisiert, sondern räumlich ermöglicht.

Die Burg als Resonanzraum

Die Burg am Florinsmarkt ist kein Museum.
Sie ist ein Denkort und ein Regenerationsraum.

Hier wird reflektiert, was draußen erlebt wird.
Thematisch unter dem Leitmotiv:

„Die selbstversorgende Stadt – von historischen Märkten zu resilienten Städten.“

Ausstellungen, Gespräche, Werkstätten und stille Räume greifen das auf, was der Platz im Alltag erfahrbar macht. Innen und Außen stehen in ständigem Austausch – kein abgeschlossenes Programm, sondern ein offener Prozess.

 

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