Ein Name mit Geschichte

Torre San Teobaldo - Ein Ort der Geschichte, der Stille und der Begegnung

Manche Entdeckungen macht man nicht mit Absicht – sie finden einen, wenn die Zeit reif ist. So geschah es an einem wechselhaften Herbsttag im Jahr 2013, als ich bei einer Jagd durch die piemontesischen Hügel streifte. Mein Blick fiel auf eine verlassene, verfallene kleine Struktur auf einer Hügelspitze, umgeben von Haselnussbäumen und Reben. Ein Türmchen, das in Vergessenheit geraten war. Es ließ mir keine Ruhe. Noch am selben Tag begann ich, seinen Ursprung zu erforschen. Doch der Eigentümer blieb zunächst unbekannt.

Anstatt zu warten, entschied ich mich zu handeln. Ich begann, das Dach, die Mauern und die Fenster notdürftig zu sichern – anfangs ohne Erlaubnis, aber mit viel Hingabe. 2014, nach langer Ungewissheit, wurde mein Engagement schließlich belohnt: Nach einer Ortsbegehung erhielt ich die offizielle Genehmigung zur Nutzung. Doch das wohl Größte, das ich dabei gewann, war die Akzeptanz der Menschen vor Ort. Anfangs begegnete man mir mit Zurückhaltung, doch mit der Zeit wuchs Vertrauen. Heute, Jahre später, ist Torre San Teobaldo mein Zuhause geworden.

Ein Name mit Geschichte und die Inspiration:

Der Name „Torre San Teobaldo“ ist kein Zufall. Eigentlich handelt es sich nicht um einen Turm, sondern um ein Ciabot – wie man im Piemont ein kleines Gartenhaus nennt, das früher als Schutz- und Arbeitsraum während der Weinlese diente. Die Hanglage, in der sich die Struktur befindet, trägt den Namen San Teobaldo, benannt nach einer Kapelle am Ende der gleichnamigen Straße. Diese Kapelle war ein Geschenk an die Kirche – gestiftet vom Urgroßvater der Familie, der einst dieses Land bewirtschaftete.


San Teobaldo verweist auf zwei Heilige, die diesen Namen trugen:

Der heilige Theobald von Provins († 1066) wurde in Frankreich als Sohn einer adeligen Familie geboren, entschied sich jedoch gegen Reichtum und militärische Ehre. Stattdessen lebte er als Einsiedler, pilgerte durch Frankreich und Italien und ließ sich schließlich in Sossano nieder. Dort wurde er für seine Frömmigkeit verehrt und ihm wurden Wunder zugeschrieben. Er starb am 30. Juni 1066 und wurde 1073 heiliggesprochen. Heute gilt er als Schutzpatron der Holzfäller, Gerber, Hirten und Einsiedler.


Der heilige Theobald von Alba († 1150) stammte vermutlich aus dem Piemont. Auch er entschied sich früh für ein asketisches Leben in Armut und Zurückgezogenheit. Sein Wirken ist weniger gut dokumentiert, doch sein einfaches Leben brachten ihm große Verehrung in Norditalien ein. Er starb 1150 in Alba, sein Festtag ist der 1. Juni.

 

Ein Rückzugsort mit neuen Traditionen

Heute ist Torre San Teobaldo für mich weit mehr als ein restauriertes Gebäude – es ist ein Ort der Ruhe, der Natur und der Begegnung. Während es mein persönlicher Rückzugsort bleibt, öffne ich ihn gerne für Freunde und Gäste. Besonders liebgewonnen habe ich das Kirschblütenfest, eine Tradition, die ich aus Japan mitgebracht habe. Es ist eine Feier der Schönheit der Natur und der Vergänglichkeit des Moments. Dabei reiche ich selbstgemachten Kombucha und Wasserkefir – lebendige Getränke, die ebenso wie dieser Ort von Zeit, Sorgfalt und Hingabe leben.

Doch der schönste Moment des Tages bleibt der Sonnenaufgang. Vom Dach des Torre aus blicke ich über die Hügel des Piemont, während die Welt langsam erwacht. In dieser Stille, wenn das Licht sich über die Landschaft legt, fühlt sich alles im Gleichgewicht an. Und ich weiß, dass dieser Ort seinen Weg zu mir gefunden hat – genau zur richtigen Zeit.

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Matteo Capreoli #vonTürzuTür erzählt vom Erlebnis beim "Torre San Teobaldo"